Dieses Jahr haben wir im Juli unsere Weltmeisterschaft in Lyon/Frankreich. Alle derzeit verfügbaren Informationen finden sich HIER.


Nach den Paralympics in London 2012 war es schwer, nach diesem großen Ereignis und all diesen Ehrungen wieder eine "normale Spur" zu finden. 

 

Es klappte, ich konnte mich gut auf die Weltmeisterschaften in Lyon vorbereiten und hab mich sehr auf dieses Highlight 2013 gefreut. 

Vor den Weltmeisterschaften hab ich mich regelrecht in Watte gepackt und dann war ich in Lyon und mir ist das Ohr zugeschwollen und die Backe wurde dick: Ohrspeicheldrüsenentzündung. So lag ich dann erstmal im Hotel, durfte aber glücklicherweise trotzdem starten. Ich hatte extreme Schmerzen, hab mir den ganzen Wettkampf über einen Eisbeutel an die Backe gehalten, so wurde es viel leichter. (Artikel Abendzeitung)

 

Dann war ich dran und ich dachte mir, wenn ich rund 24/25m werfe, dann bin ich echt zufrieden in dem Zustand. Dann kam mein erster Wurf und der landete auf 27,45m. Ich saß auf diesem Hocker und starrte ungläubig auf die Anzeigetafel. Klar hab ich mich unheimlich gefreut, aber das wurde in dem Moment einfach nur baff. 

 

--> zur Siegerehrung :-)

Die Ohrspeicheldrüsenentzündung wurde besser, doch die nächste Katastrophe nahte schon. 

Das Hotel war ansich wirklich gut, nicht sehr zentral, aber nahe am Stadion. Leider war das Bad nicht barrierefrei, ich kam auch mit dem Rollstuhl nicht rein - mit diesem Problem war ich jedoch nicht allein. Viele Teams hatten mit ähnlichen Widrigkeiten zu kämpfen. Nun kann ich ja mit der Ataxie ein paar Schrittchen gehen, aber ich falle halt auch, weil das Ganze halt zuweilen sehr unkoordiniert ist. Mein Kopf hatte deshalb im Bad eine sehr ungute Kollision mit dem Waschbecken und trug eine Platzwunde davon. 

 

Die Teilnahme tagsdrauf in meinem Kugelstoß Wettbewerb war zwar möglich, aber leider nur drei Versuche, dann mußte ich den Wettkampf abbrechen. (Der "schicke" Kopfverband wäre auch fast als Stirnband durchgegangen...) 

Ich bin unter meinen Möglichkeiten geblieben, aber mir ging es auch wirklich nicht arg gut, insofern war das, was ich gestoßen habe große Klasse und ich bin total zufrieden. Dass es dann noch ein neuer Championship Record mit 9,92m wurde und Gold war, das hat mich sehr gefreut. 

 

Es war nicht abzusehen, dass es so schlimmer werden würde, dass ich sogar ins Krankenhaus muss. Dummerweise fand deshalb auch die Siegerehrung ohne mich statt. Das war extrem bedauerlich. 

 

Jetzt geht es mir wieder gut und ich danke ganz besonders unserem Team Doc Rolf Kaiser, der sich grandios um mich gekümmert hat!!

mein Fazit von dieser WM in Lyon:

  • ich konnte beide Weltmeistertitel (in Kugel und Speer) von 2011 verteidigen und das macht mich glücklich
  • es waren sehr widrige Umstände, unter denen ich gestartet bin und irgendwie bin ich schon auch stolz drauf, dass ich in den Momenten, in denen es drauf ankam, die körperlichen Befindlichkeiten für kurze Zeit ausblenden und die Leistung abrufen konnte, für die ich so lange trainiert habe
  • schade, dass bei der WM die Kontakte zu anderen Sportlern einfach zu kurz kamen - wir wohnten einfach zu verstreut voneinander weg